Musterbestände zum Waldumbau
Musterbestände rund um das Thema Waldverjüngung
© AELF Holzkirchen
Zielgerichtet verjüngen bietet viele Vorteile. Daher ist sie ein wichtiges Ziel waldbaulicher Maßnahmen. Welche Maßnahmen für eine zielgerichtete Verjüngung notwendig sind, hängt vom Bestand ab.
Die Verjüngung älterer Wälder bietet die Möglichkeit, in der Folgegeneration besser an das Klima angepasste Bestände zu etablieren. Wir beraten hier in Richtung einer naturnahen Waldwirtschaft, bei welcher die Entnahme der Altbäume einzeln bis gruppenweise geschieht und keine Kahlschläge erfolgen.
Musterbestand der Gemeinde Holzkirchen
Ausgangslage
Bei dem Waldbestand handelt es sich um einen heute 70-jährigen Fichtenbestand mit einigen Kiefern und wenigen Buchen/ Ahorn. Der Bestand wurde in der Nachkriegszeit nach Käferbefall auf großer Fläche wieder aufgeforstet und war bis Ende der 90er Jahre noch dicht und strukturarm. Der Bestand gibt die Ausgangslage sehr gut wieder, wie sie für Fichtenbestände im südlichen Oberbayern typisch sind. Gerade diese häufig vorkommende Ausgangslage machten den Bestand zu einem sehr guten Musterbestand. Der Bestand zeigt, wie der Umbau des Waldes hin zu stabilen, strukturreichen Mischbeständen gelingen kann.
Motivation und Zielsetzung des Waldbesitzers
Nach deutlichen Schäden durch die großen Stürme „Vivien-Wiebke“ und „Lothar“ in ihrem Wald war den Eigentümern klar: „Nie wieder Kahlfläche!“. Niedrige Holzerlöse, hohe Pflanzkosten und aufwendige Kultursicherung sollten künftig soweit nur möglich vermieden werden. Die Waldeigentümer entschieden sich dafür, den Waldumbau mit dem vergleichsweise noch sehr jungen Fichtenbestand durch stetige Holznutzung und Naturverjüngung einzuleiten.
Der Weg bis zum heutigen Erscheinungsbild
Seit 1997 haben die Waldbesitzer in Zusammenarbeit mit der Waldbesitzervereinigung und dem AELF Holzkirchen mit dem Waldumbau des großen Waldkomplexes begonnen. Nach systematischer Feinerschließung werden in regelmäßigen Abständen, alle 4-5 Jahre, je Hektar ca. 60fm Fichte geerntet. Hierbei erfolgt die Entnahme überwiegend vom stärkeren Ende her. Diese stetige (Stark-) Holznutzung führte zu einer höheren Stabilität der verbleibenden Fichten, zu einer frühzeitigen Naturverjüngung und zu guten Holzerlösen. Auch die Verjüngung profitiert von der stetigen Holznutzung. Durch immer wieder neue Lichtschächte erhält die Verjüngung früh einen strukturreichen Aufbau. Starker Bewuchs durch Brombeere bleibt aus. Pflanzungen spielen eine völlig untergeordnete Rolle. Die Natur allein hat in dem Musterbestand eine sehr gemischte Naturverjüngung aus Bergahorn, Buche, Fichte sowie weiteren Laubbaumarten wie der Vogelbeere entstehen lassen. Der Waldumbau durch Förderung der Naturverjüngung wird zudem durch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit einem Fördersatz von 1200 €/Hektar gefördert.
Zukünftige Maßnahme
Die stetige Holznutzung hat sich klar bewährt und wird auch künftig von dem Waldbesitzer fortgeführt. Zur Etablierung einer gemischten, baumartenreichen Verjüngung muss, wie von den rechtlichen Rahmenbedingungen vorgegeben, ein waldangepasster Wildbestand vorhanden sein. Hierfür setzten sich die Waldbesitzer innerhalb der Jagdgenossenschaft engagiert ein.
Musterbestand der Gemeinde Bad Tölz
Ausgangslage
Dieser Bestand war einst ein vorratsreicher und strukturarmer Fichtenwald. Jedoch mit großem Potential: Im Altbestand waren bereits Mischbaumarten, v.a. Tanne sowie Ahorn und Buche, in ausreichendem Maße vorhanden. In dem dunklen Altbestand konnte sich so bereits eine flächige Vorrausverjüngung aus den schattenertragenden Baumarten Tanne, Buche und Ahorn etablieren. Ein geringer Verbissdruck war hierfür Grundvoraussetzung.
Motivation des Waldbesitzers
Dieser Wald ist im Eigentum der Stadt Bad Tölz und erfüllt v.a. als Erholungswald im Zusammenhang mit der nahe gelegenen Blombergbahn eine wichtige Funktion. Ziel der Stadt ist es, in ihrem Wald durch stetige Pflege, vormals fichtendominierte Wälder fließend in strukturreiche Bergmischwälder umzubauen.
Der Weg bis zum heutigen Erscheinungsbild
Damit die neue Waldgeneration zunächst keimen und anwachsen kann, wurde bereits von etwa 10 Jahren begonnen einzelne Bäume zur Lockerung des Kronendaches zu entnehmen. Dieser erste Eingriff erfolgte nicht flächig, sondern konzentriert an einigen Punkten, um dort sogenannte Femel zu schaffen. Die Verjüngung erhält hier durch mehr Licht einen Wuchsvorsprung und die unterschiedliche Höhenentwicklung erzeugt Struktur in der Verjüngung. Nachdem das Einleiten der Verjüngung geglückt war, wurde im Winter 20/21 ein starker Hieb durchgeführt. Im Zuge dieses Hiebes wurde ca. 1/3 des Vorrates (ca. 250fm/ha – hier zumeist Fichte) gefällt, um die Lichtgabe über den vorwüchsigen Verjüngungskegeln zu erhöhen und den Tannen- und Laubholzanteilen einen Wuchsvorteil zu geben. Von diesem starken Eingriff sind bis auf zahlreiche Stöcke nahezu keine Spuren erkennbar. Durch eine gut gewählte Fäll- und Bringtechnik konnte die Verjüngung und Altbestand bestens geschont werden.
Zukünftige Maßnahmen
Wie sich der Bestand entwickeln wird, kann unmittelbar an dem südlich angrenzenden Bestand jenseits der Forststraße gezeigt werden. Hier befinden wird uns im Vergleich zum beschriebenen Bestand ca. 10-15 Jahre in der Zukunft. Durch stetige Entnahme von starkem Holz (Zielstärkennutzung) wurde hier der Vorrat auf ein nahezu konstantes Niveau gehalten. Das Ergebnis: Eine baumartenreiche und strukturreiche Verjüngung die keine Kosten verursacht hat.
Musterbestand der Gemeinde Schliersee
Ausgangslage
In diesem Wald sind Fichten, Tannen, Buchen, Eschen und Ahorn, sowie einige Linden, Aspen und Weiden in sehr großer Bandbreite hinsichtlich Alters- und Höhenstruktur vorhanden. Hierfür spielt gerade die stetige Verjüngung der o.g. Baumarten eine wichtige Rolle, damit sich die sehr gute Ausgangslage auch in der nächsten Waldgeneration widerspiegeln kann. Ein waldverträglicher Schalenwildbestand über einen langen Zeitraum ist hier Grundvoraussetzung.
Motivation des Waldbesitzers
So vielfältig wie der Wald in seinem Erscheinungsbild ist, so vielfältig sind auch die Vorteile, die sich für den Waldbesitzer ergeben. Neben einer nachhaltigen Einkommensquelle ohne teure Pflanzungen und der Versorgung mit Brennholz, stellt dieser Wald zudem eine risikoarme Wertanlage dar. So kam es bei den großen Kalamitäten der letzten Jahre nie zu nennenswerten Schäden, Wiederaufforstungen waren nicht notwendig.
Der Weg zum heutigen Erscheinungsbild
Die stetige Bewirtschaftung und der Erhalt von seltenen Baumarten haben diesen Wald zu einem sehr guten Musterbestand für den Klimawald der Zukunft gemacht.
Für den Umbau des Waldes hin zum Klimawald gibt es neben der Beratung zudem vielfältige finanzielle Fördermöglichkeiten durch das AELF Holzkirchen.
Für den Umbau des Waldes hin zum Klimawald gibt es neben der Beratung zudem vielfältige finanzielle Fördermöglichkeiten durch das AELF Holzkirchen.
Zukünftige Maßnahmen
Die Bewirtschaftung, die den Wald so geformt hat, wie er heute dar steht, ist auch der Schlüssel dafür, wie Baumartenvielfalt und Strukturreichtum bewahrt werden können. Kurz gesagt, heißt die beste Maßnahme: „Weiter so!“
Musterbestand der Gemeinde Bad Wiessee
Ausgangslage
Die Ausgangslage ist hier ein ca. 110-jähriger dichter Fichtenreinbestand aus kurzkronigen und instabilen Bäumen. Diese schwierige Ausgangslage kommt vielfach in Fichtenbeständen vor. Trotz dieser Ausgangslage besteht durch das Vorhandensein von Samenbäume (v.a. Tanne sowie Buche und Ahorn) im Umgriff der Fläche ein sehr gutes Potential für den Umbau zu einem strukturreichen Bergmischwald. Grundvoraussetzung für den Waldumbau ist ein waldangepasster Wildbestand. Nur so können Tanne, Buche und Ahorn in ausreichender Anzahl und Verteilung aufwachsen.
Motivation des Waldbesitzers
Die Waldfläche ist im Eigentum der Gemeinde Bad Wiessee. Für die Gemeinde Bad Wiessee erfüllt der Wald vor allem als Erholungs- und Schutzwald wichtige Funktionen für die Allgemeinheit. Zur Sicherung der Waldfunktionen ist es für die Gemeinde wichtig ihren Wald zu stabilen und strukturreichen Mischwäldern umzubauen.
Der Weg zum heutigen Erscheinungsbild
Zur Einleitung der Naturverjüngung fanden in Zusammenarbeit mit der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen Hiebsmaßnahmen statt. Durch punktuelle Entnahme mehrerer Fichten wurde der Lichteinfall auf dem Boden erhöht. Es kommt in diesen sogenannten Lichtfeldern zur langsamen Umsetzung der Fichtenstreu. Ein Keimbeet für die neue Waldgeneration entsteht und neue Mischbaumarten können sich etablieren. Die Verjüngung ist, je nach Lichtsituation, derzeit knöchel- bis übermannshoch. Für das Ansamen von hohen Fichtenanteilen reicht die Belichtung auf dem Großteil der Fläche bewusst noch nicht aus, so erhalten Tanne, Buche und Ahorn einen Wuchsvorsprung. Das Ergebnis eine baumarten- und strukturreiche Naturverjüngung.
Zukünftige Maßnahmen
Ein nächster Eingriff ist für 2026 geplant. Hat die Tannenverjüngung einen ausreichenden Wuchsvorsprung aufgebaut, so wird die Lichtgabe nach und nach erweitert und in verbleibenden Lücken verjüngt sich die schnellwüchsigere Fichte sowie vereinzelt weitere Mischbaumarten wie zum Beispiel Buche, Bergulme, Bergahorn oder Vogelbeere. So entwickelt sich im Laufe von einigen Jahrzehnten eine gestufte Bergmischwaldverjüngung. Dabei wird der instabile Altbestand trotz schwieriger Ausgangssituation möglichst lange gehalten, um die Struktur in der Verjüngung zu fördern.
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