Waldumbauoffensive
Musterbestände zum Waldumbau

Mischwald mit VerjüngungZoombild vorhanden

Foto: Jan Böhm

In ganz Bayern verursacht der Klimawandel zunehmend Schäden in den Wäldern.

Langanhaltende Trockenperioden, zunehmende Hitze und Extremwetterereignisse schwächen die Bäume und machen sie anfälliger für Schadinsekten wie beispielsweise die Borkenkäfer. Selbst unsere Hauptbaumarten Fichte, Kiefer und Buche kommen - besonders im Reinbestand - zunehmend an ihre ökologischen Grenzen. Daher ist es wichtig, die Waldbestände möglichst frühzeitig an die sich ändernden Klimabedingungen anzupassen.

Wie sehen zukunftsfähige Wälder aus?

Sie fragen sich vielleicht, wie zukunftsfähige Wälder aussehen können oder wie sich neue Baumarten entwickeln. Unsere Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten haben dazu Musterbestände ausgewählt, die Ihnen anschauliche Beispiele geben.

Musterbestände im Amtsbereich

Der Waldanteil in den beiden Landkreisen unseres Amtsbereichs, Bad Tölz - Wolfratshausen und Miesbach, liegt mit 53% deutlich über dem bayerischen Durchschnitt von 37%. Dementsprechend bedeutend ist die Erhaltung dieser Wälder im Klimawandel als:

  • Naturnaher Rückzugsraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten
  • Schutzfläche vor Bodenerosion, Steinschlag, Lawinen und Hochwasser
  • Erholungsraum
  • Quelle des nachwachsenden Rohstoffes Holz

Von Natur aus wären mit Ausnahme der Fels-, Gewässer- und Moorbereiche alle Flächen unserer beiden Landkreise bewaldet. Im Voralpengebiet vor allem mit Buchen- und Buchen-Tannenwäldern, in den Alpen mit Bergmischwäldern aus Buche, Tanne und Fichte, wobei die Fichte erst in Höhenlagen ab 1.200 m in nennenswerten Anteilen natürlich vorkäme.

Aktuell herrschen in unserem Amtsbereich in vielen Gebieten noch fichtenreiche Wälder vor. Da die Fichte eine boreale, also kälteliebende Baumart ist, wird sie mit den zwei Haupttrends des Klimawandels – steigenden Temperaturen und zunehmender Sommertrockenheit – die größten Probleme bekommen. Daher ist es für den künftigen Erhalt unserer Wälder unabdingbar, diese im Voralpengebiet von fichtendominierten Forsten in laubholz- und tannenreiche Mischwälder umzubauen. In den Alpen müssen wir bestehende Bergmischwälder erhalten und Fichtenbestände wieder in Richtung solcher Bergmischwälder zurückentwickeln. Das alles kann nur bei angepassten Schalenwild-Beständen gelingen, da Tanne, Buche und viele andere Laubbäume deutlich verbissempfindlicher sind als die Fichte.

Bestände zum Thema Waldpflege

Bei jüngeren Wäldern steht die Waldpflege im Vordergrund. Hier geht es vor allem um die Förderung von gesunden und qualitativ hochwertigen Bäumen sowie um die Verbesserung von Mischung und Struktur der Bestände.

Musterbestand in der Gemeinde Dietramszell

Pflegeverjüngung Dietramszell
Zu Beginn war die Waldfläche in Dietramszell noch mit einem Fichten-Altbestand bestockt. Mitte der 90er Jahre fiel dieser Fichtenbestand dem Borkenkäfer zum Opfer. Um Schäden auf die umliegenden Fichtenbestände zu vermeiden, mussten alle Fichten gefällt werden. Die entstandene Kahlfläche wurde wiederaufgeforstet. Jetzt allerdings mit anderen Baumarten.

Musterbestände rund um das Thema Waldpflege

Musterbestand in der Gemeinde Fischbachau

Luftbild Fischbachau
Dieser Waldbestand war früher eine Wiese. Im Jahr 2013 wurde hier mit ca. 80% Schwarzerle und mit 20% Fichte aufgeforstet.
Das war der erste Schritt in Richtung der Zielbestockung bestehend aus Buche, Tanne und Fichte.

Musterbestände rund um das Thema Waldpflege

Musterbestand in der Gemeinde Eurasburg

Pfelegebestand Königsdorf
1997 wurde die einstige Wiese von der Gemeinde Eurasburg aufgeforstet. Die Besonderheit dabei: Es wurden sehr viele verschiedene Baumarten verwendet. Mit passender Pflege wurde ein Mischwald geschaffen, welcher sehr schön zeigt, wie baumartenreiche Wälder im Oberland bewirtschaftet werden können.

Musterbestände rund um das Thema Waldpflege

Musterbestand in der Gemeinde Icking

Pflegebestand Wolfratshausen
Schon vor 40 Jahren entschied sich der Waldbesitzer sehr vorausschauend, im Schutz des alten Fichtenwaldes einen neuen Mischwald zu pflanzen. Als Baumarten wählte er Buche, Ahorn, Linde und Küstentanne. Fichte und Eiche kamen im Zaun natürlich auf. Baumarten mit gleichen Wuchsverhältnissen wurden in Kleingruppen gemischt, sodass die Mischung nicht durch gegenseitige Konkurrenz gefährdet wird. Die Altbäume wurden nach und nach entnommen, der Nachwuchs konsequent durchforstet und gepflegt.

Musterbestände rund um das Thema Waldpflege

Bestände zum Thema Verjüngung

Die Verjüngung älterer Wälder bietet die Möglichkeit, in der Folgegeneration besser an das Klima angepasste Bestände zu etablieren. Wir beraten hier in Richtung einer naturnahen Waldwirtschaft, bei welcher die Entnahme der Altbäume einzeln bis gruppenweise geschieht und keine Kahlschläge erfolgen.

Musterbestand in der Gemeinde Holzkirchen

Verjüngung Holzkirchen
Bei dem Waldbestand handelt es sich um einen heute 70-jährigen Fichtenbestand mit einigen Kiefern und wenigen Buchen/ Ahorn. Der Bestand wurde in der Nachkriegszeit nach Käferbefall auf großer Fläche wieder aufgeforstet und war bis Ende der 90er Jahre noch dicht und strukturarm. Der Bestand gibt sehr gut die Ausgangslage wieder, die den Bestand zu einem sehr guten Musterbestand auszeichnet. Hier wird gezeigt, wie der Umbau des Waldes zu stabilen, strukturreichen Mischbeständen gelingen kann.

Musterbestände rund um das Thema Waldverjüngung

Musterbestand der Stadt Bad Tölz

Waldverjüngung Bad Tölz
Ursprünglich war dieser Bestand ein vorratsreicher und strukturarmer Fichtenwald - aber mit großem Potential: Im Altbestand waren bereits Mischbaumarten, v.a. Tanne sowie Ahorn und Buche in ausreichendem Maße vorhanden. In dem dunklen Altbestand konnte sich so bereits eine flächige Vorrausverjüngung aus den schattenertragenden Baumarten Tanne, Buche und Ahorn etablieren. Ein geringer Verbissdruck war hierfür Grundvoraussetzung.

Musterbestände rund um das Thema Waldverjüngung

Musterbestand in der Gemeinde Schliersee

Verjüngungsbestand Schliersee
Die über einen langen Zeitraum durchgeführte, stetige Pflege und Holznutzung haben diesen Wald zu einem Wald gemacht, der hinsichtlich Struktur und Baumartenmischung besonders vielfältig ist und dadurch eine sehr hohe Resilienz und Resistenz gegenüber der Klimaerwärmung aufweist. In diesem Wald sind Fichten, Tannen, Buchen, Eschen und Ahorn, sowie einige Linden, Aspen und Weiden in sehr großer Bandbreite hinsichtlich Alters- und Höhenstruktur vorhanden.

Musterbestände rund um das Thema Waldverjüngung

Musterbestand der Gemeinde Bad Wiessee

Verjüngung Tegernsee
Die Ausgangslage ist hier ein ca.110-jähriger dichter Fichtenreinbestand aus kurzkronigen und instabilen Bäumen. Diese schwierige Ausgangslage kommt oft in Fichtenbeständen der montanen Stufe vor. Trotz dieser Ausgangslage besteht durch das Vorhandensein von Samenbäume (v.a. Tanne sowie Buche und Ahorn) im Umgriff der Fläche ein sehr gutes Potential für den Umbau zu einem strukturreichen Bergmischwald.

Musterbestände rund um das Thema Waldverjüngung